Achtsam gestaltete Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten in Kolitzheim
Kolitzheim / Lindach. Rund 80 Bürgerinnen und Bürger folgten am Freitagabend, 30. Januar 2026, der Einladung der Wählergruppe „Achtsam – Zukunft lebenswert gestalten“ zur öffentlichen Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten im Gasthaus zum Löwen in Lindach. Der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal zeigte das große Interesse an der bevorstehenden Bürgermeisterwahl.
Moderiert wurde der Abend von den amtierenden Achtsam-Gemeinderätinnen Johanna Wieland und Ulrike Bach, die bei der Kommunalwahl am 8. März erneut kandidieren. Ziel der Veranstaltung war es, die Menschen hinter den Kandidaturen sichtbar zu machen und einen sachlichen, respektvollen Austausch zu ermöglichen.
Zwei Kandidaten – viele Gemeinsamkeiten
Die beiden Bürgermeisterkandidaten Daniel Scheller (Stammheim) und Matthias Nickel (Unterspiesheim) begegneten sich von Beginn an auf Augenhöhe. Bereits die lockere „Warm-up-Runde“ mit persönlichen Entscheidungsfragen zeigte zahlreiche Gemeinsamkeiten: Beide beschrieben sich als Planer, Marathon- statt Sprinttypen, Frühaufsteher („Lerchen“) und als Menschen, die Bodenständigkeit und Struktur schätzen.
Auch in zentralen Haltungen waren sich beide einig:
- Führung braucht Klarheit und Verlässlichkeit
- Entscheidungen müssen gut vorbereitet und transparent vermittelt werden
- Ehrenamt, Vereine und Gemeinschaft sind tragende Säulen der Gemeinde
Unterschiede zeigten sich vor allem im beruflichen Hintergrund und im politischen Weg: Während Daniel Scheller parteilos kandidiert und stark aus Ehrenamt, Feuerwehr und Netzwerkarbeit geprägt ist, ist Matthias Nickel im Sommer 2025 in die CSU eingetreten und bringt langjährige Führungs- und Organisationserfahrung aus Bundeswehr und Wirtschaft ein.
Persönliche Vorstellungen
In ihren persönlichen Vorstellungsrunden betonten beide Kandidaten ihre Verwurzelung in der Gemeinde – wenn auch auf unterschiedlichen Wegen.
Daniel Scheller (37) ist in Stammheim aufgewachsen, Vater von schulpflichtigen Kindern und seit vielen Jahren ehrenamtlich engagiert, unter anderem in der Feuerwehr. Beruflich ist er gelernter Informatikkaufmann und in einem Schweinfurter Industrieunternehmen tätig, wo er internationale Teams führt. Bürgernähe und Kommunikation bezeichnete er als zentrale Elemente seines Politikverständnisses.
Matthias Nickel (43) lebt seit rund zehn Jahren in Unterspiesheim. Nach zwölf Jahren als Bundeswehroffizier mit Auslandseinsätzen studierte er Wirtschaftsingenieurwesen und war unter anderem als Projektleiter bei Airbus tätig. Heute arbeitet er in leitender Funktion bei einem Unternehmen in der Gemeinde Kolitzheim. Ehrenamtlich engagiert er sich seit mehreren Jahren als Vorsitzender des Johannisvereins, dem Träger eines Kindergartens.
Zentrale Themen des Abends – Gemeinsamkeiten und Unterschiede
1. Rolle des Bürgermeisters
Beide Kandidaten sehen den Bürgermeister nicht als Einzelkämpfer.
- Scheller versteht das Amt als „Brückenbauer zwischen Verwaltung und Bevölkerung“ und betonte die Bedeutung von Präsenz, Gesprächen und Information.
- Nickel hob stärker die formale Rolle hervor: Der Bürgermeister sei Dienstvorgesetzter der Verwaltung, Vertreter der Gemeinde nach außen und Umsetzer der Entscheidungen des Gemeinderats.
2. Gemeindefinanzen und Prioritäten
Einigkeit bestand darin, dass die kommenden Jahre finanziell herausfordernd werden.
- Nickel sprach von einer soliden, aber angespannten Lage und betonte die Notwendigkeit klarer Prioritäten und langfristiger Planung.
- Scheller wies darauf hin, dass Pflichtaufgaben Vorrang haben müssten und Gestaltungsspielräume nur dort entstünden, wo Förderungen und Einnahmen sinnvoll genutzt werden können.
3. Gewerbe, Entwicklung und Zukunft
Beide Kandidaten sehen die Schaffung von Gewerbeflächen als wichtigen Baustein für die finanzielle Zukunft der Gemeinde.
- Nickel betonte den Erhalt und die Entwicklung heimischer Betriebe sowie den direkten Austausch mit Gewerbetreibenden.
- Scheller verwies auf die gute Lage der Gemeinde, die Nutzung von Förderprogrammen und eine ergebnisoffene Herangehensweise an neue Gewerbegebiete.
4. Neubaugebiete und Innenentwicklung
Hier zeigten sich unterschiedliche Akzente:
- Nickel sieht in einzelnen Ortsteilen weiterhin Bedarf für Neubaugebiete, möchte aber gleichzeitig Leerstände in Altorten stärker in den Blick nehmen.
- Scheller plädierte für Zurückhaltung bei neuen Baugebieten und eine stärkere Förderung der Innenentwicklung.
5. Bürgerbeteiligung und Transparenz
Beide Kandidaten sprachen sich für mehr Transparenz aus.
- Nickel warnte vor zu vielen Einzelentscheidungen per Bürgerbeteiligung, betonte aber die Pflicht, Entscheidungen gut zu erklären.
- Scheller legte den Schwerpunkt auf frühzeitige Information, neue Kommunikationswege (z. B. digitale Angebote) und Bürgersprechstunden in den Ortsteilen.
6. Identität der Gemeinde
Einigkeit herrschte darüber, dass Kolitzheim von starken Ortsteilen lebt.
- Beide Kandidaten wollen die Identität der einzelnen Gemeindeteile bewahren und gleichzeitig das „Wir-Gefühl“ stärken.
- Vereine, Feste, Ehrenamt und Begegnungsräume wurden von beiden als unverzichtbar für die Lebensqualität genannt.
Sachlicher Austausch und großes Publikumsinteresse
Auch bei kontroversen Themen – etwa Schulstandort, Tempo-30-Zonen oder mögliche Interessenkonflikte – blieb die Diskussion sachlich und respektvoll. In der anschließenden Publikumsrunde wurden kritische Fragen gestellt, aber ebenso der faire Umgangston und das Format der Veranstaltung ausdrücklich gelobt.
Der offizielle Teil endete gegen 21.30 Uhr, viele Besucherinnen und Besucher nutzten danach noch die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch. Beide Kandidaten bedankten sich bei der Wählergruppe Achtsam für die Organisation und den offenen Rahmen.
Fazit:
Der Abend zeigte zwei unterschiedliche Persönlichkeiten mit vielen gemeinsamen Grundhaltungen, aber auch klar erkennbaren Unterschieden in Schwerpunktsetzung und Stil. Genau dieser offene Vergleich war das erklärte Ziel der Veranstaltung – und wurde von vielen Gästen als großer Gewinn für die kommunalpolitische Kultur in Kolitzheim wahrgenommen.

Achtsam: Vorstellung der Bürgermeister-Kandidaten in Lindach am 30.1.2026 (Foto: Martina Wehner)