Flur Herlheim

Wozu wird eine Flurbereinigung (Flurneuordnung) durchgeführt?

Das Bayerische Staatsministerium, Landwirtschaft und Forsten schreibt dazu:
„Die Flurneuordnung dient der Entwicklung des ländlichen Raums als Lebens-, Arbeits-, Erholungs- und Naturraum.
Zur Verbesserung der Agrarstruktur und Stärkung der Wirtschaftskraft werden Grundbesitz zweckmäßig neu geordnet, Projekte von Gemeinden oder öffentlichen Planungsträgern unterstützt sowie Natur und Landschaft erhalten und gestaltet. Grundeigentümer sowie Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, bei der Gestaltung ihres heimatlichen Lebensraumes aktiv mitzuwirken.“

Betrachtet man die bisher durchgeführten Flurneuordnungen auf dem Gebiet der Gemeinde Kolitzheim, so stellt sich die Frage, ob diese Grundsätze bisher ausreichend beachtet worden sind.
Die gesetzlichen Regeln finden sich u.a. im Flurbereinigungsgesetz (FlurbG) und Gesetz zur Ausführung des Flurbereinigungsgesetzes (AGFlurbG).

Flurneuordnungen beinhalten also Chancen und auch große Risiken, wenn nur einseitige Abwägungen und Interessen berücksichtigt werden.

Durch Flurbereinigungen werden wirtschaftliche Flächenstrukturen und ein funktionales Wegenetz geschaffen. Auch wenn hierbei in einem Zug die Verbesserungen von Ökologie und Landschaftsschutz benannt werden, so muss doch stark in Frage gestellt werden, dass dies tatsächlich als Ziel fokussiert wird. Durch Flächenzusammenlegungen und Tauschverfahren entstehen noch größere Ackerschläge. Damit ergeben sich aber Nachteile für Natur und Landwirtschaft. Lebensräume für Feldhasen, Rebhühner, Kauz, Insekten und Bienen schwinden. Die verbleibenden, künstlich angelegten Hecken und Naturräume für diese Lebewesen erscheinen oft als Feigenblatt für eine verfehlte Agrarpolitik. Die Abstände dieser Naturinseln voneinander sind in der Regel viel zu groß, so dass kein Austausch zu anderen Räumen stattfinden kann. Das führt zur Reduktion und zum Verlust von Arten. Werden Felder dann noch mit Insektiziden behandelt, die an der Ackergrenze nicht halt machen, ist das Überleben für diese Arten schwer. Die Zahl der Insekten ist in Deutschland in den letzten Jahren um bis zu 80% zurückgegangen. In Folge haben auch Vögel und Kleinlebewesen kaum eine Überlebenschance.

Das Gleichgewicht des Ökosystems geht verloren.

Fast alle Wild- und Kulturpflanzen werden von Insekten bestäubt. Somit liegt es im originären Interesse der Landwirtschaft selbst, dass Ackerbau nachhaltig und umweltverträglich betrieben wird.

Auch wenn ein Flurneuordnungsverfahren die naturschutzrechtlichen Vorgaben beachtet, so zeigt sich, dass zunächst einmal Lebensraum verloren geht. Lebensraum, der in der Praxis nur schwer wieder ersetzt werden kann. Gerade auch die mit der Flurneuordnung einhergehende Umstrukturierung des Wegenetzes führt häufig zum Rückbau bzw. zum Verlust bestehender Grünwege. Für große landwirtschaftliche Fahrzeuge sind diese Wege natürlich optimal. Allerdings gehen wichtige Bewegungskorridore und Lebensraum für die Natur unwiederbringlich verloren.

Asphaltierte Wege bringen Veränderungen mit sich. Bürgerinnen und Bürger nutzen diese Bereiche vermehrt zum Spazierengehen und Radfahren. Dies fordert zur gegenseitigen Rücksichtsnahme auf. Die Ansicht, dass diese auf landwirtschaftlichen Wegen nichts zu suchen hätten, ist falsch. Das Betretungsrecht ist in der Bayerischen Verfassung festgeschrieben und im BayNatSchG detailliert beschrieben.

Komplexes Verfahren, hohe Kosten

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die durch ein Flurneuordnungsverfahren entstehenden Kosten. Zwar gibt es Fördermittel für Flurneuordnungen, trotzdem bleibt ein beträchtlicher Anteil bei den Grundstückseigentümern hängen. Ein landwirtschaftlicher Betrieb, der hier seine Interessen vertreten will, kommt ohne spezielle, professionelle Beratung nicht aus. Termine, Fristen, Bewertungen, Einwände: es lauern viele Fallstricke. Am Ende des Verfahrens wird es dann Gewinner, aber auch Verlierer geben.

Betrachtet man die Flurneuordnungsverfahren der letzten Jahrzehnte als Teil einer Entwicklung in der Landwirtschaft, stellt sich – angesichts sterbender Betriebe –  die Frage, ob die Zielrichtung der Flurneuordnungen überhaupt erreicht werden.

Gemeinsam

Landwirtschaft und Bevölkerung gehören zusammen. Bäuerliche Betriebe und die Bevölkerung als Kundschaft der Bauern haben dieselbe Interessenlage: Gute, gesunde und nachhaltig erzeugte Lebensmittel, von denen auch die Menschen in der Landwirtschaft leben können. Die gemeinsame Basis ist die gesunde Natur, nach ökologischen Grundsätzen bewirtschaftet, so dass auch unsere Kinder und Enkelkinder noch davon profitieren.